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Ist Onshore Windkraft bezahlbarer Strom? – Viel Ärger um wenig Wind!

Bei Windstille (z.B Inversionswetterlagen die mehrtägig anhalten können) liefern diese Windräder keinen Strom. Verdoppelt man diese Zahl auf 900 Windräder ist die Einspeisemenge 900 mal Null also immer noch Null. Wo kommt in dieser Zeit der Strom her? Aus den konventionellen Kraftwerken im In- und Ausland von denen wir zum Glück von einige haben. Andererseits ist es so, dass manchmal zu viel Wind weht, dieser nicht abgenommen werden kann und ins benachbarte Ausland gegen Aufpreis „verklappt“ wird. In diesen Fällen werden die Windkraftbetreiber mehr und mehr zur Abregelung gezwungen, d.h. das Windrad wird abgeschaltet und der nichtgelieferte Strom wird zu 95 % vergütet, nachzulesen im EEG Gesetz § 15 „Härtefallregelung“. Wer bezahlt den nichtgelieferten Strom? Der Verbraucher, wir alle, über die EEG Umlage. Hier haben wir ein Stück Planwirtschaft innerhalb der Marktwirtschaft was auf die Dauer nicht funktioniert.

Die Kosten zur Stabilisierung des Stromnetzes haben inzwischen gigantische Höhen erreicht. Letzte Woche teilte der Vorstand von Tennet (Übertragungsnetzbetreiber neue Bundesländer) mit, dass allein an Abregelungsvergütung im Jahr 2015 329 Mio. Euro aufzuwenden waren, im Vorjahr waren es nur 128 Mio Euro. Die Gesamt - Netzstabilisierungskosten liegen nunmehr bei 706 Mio. Euro stark steigend. Wer zahlt dies? Der Stromverbraucher über die Umlage.

Onshore Windkraft ist nicht grundlastfähig. Speichersysteme um die volatilen Strommengen aus Wind zu speichern sind derzeit und in den nächsten 20 Jahren nicht in Sicht. Windstrom ist „Zappelstrom“. Von einer „Versorgung“ von Haushalten zu reden ist daher nicht zutreffend denn im Wort Versorgung steckt das Wort Versorgungssicherheit die die Onshore Windkraft nicht leisten kann.

Es stimmt, dass die Einspeisevergütung für den Offshore Wind mit 19 Cent rund doppelt so hoch ist wie die Vergütung für den Onshore Wind mit 8,9 Cent. Da die Windstärke auf dem Meer jedoch um das 1,6 fache höher ist als an Land wird die 5,36 fache Strommenge geerntet. Dies hängt damit zusammen, dass die Windstärke in der Dritten Potenz in die Rechnung eingeht. Obwohl die Investitions- und Wartungskosten bei Offshore Windkraft hoch sind, ist angesichts dieses Sachverhalts die Windkraft im Offshore Bereich viel weniger konfliktträchtig. Denn in Baden-Württemberg gibt es derzeit rund 170 Bürgerinitiativen gegen die Windkraft. Die Genehmigungsdauer nach Bundesimmissionsschutzgesetz dauern vier bis fünf Jahre. Manche Windkraftanlagen müssen nachts aus Lärmgründen abgeschaltet werden, ferner schmälern die Fledermausabschaltung, Schattenwurfabschaltung, Eiswurfabschaltung und ggf. eine Rotmilan-Mahdvorschrift die Wirtschaftlichkeit sehr stark. Dies stellt sich meist erst im Genehmigungsverfahren heraus und wird in den 40 seitigen Nebenbestimmungen der Baugenehmigung zur Auflage gemacht.

Solange die Auswirkungen auf die Gesundheit (Infraschall) wissenschaftlich nicht zweifelsfrei geklärt ist, ist der Abstand zu Wohnbebauung umstritten. In Norddeutschland sind Häuser in der Nähe von Windkraftanlagen nicht mehr vermietbar und unverkäuflich. Ein Bundesland hat inzwischen den Einheitswert dieser betroffenen Häuser auf Antrag herabgesetzt. D.h. der Immobilien-Wertverlust ist nunmehr erstmalig aktenkundig. Eine Bürgerinitiative in Hessen wird noch im ersten Quartal 2016 Verfassungsklage einreichen.

Der von der Landesregierung herausgegebene Windatlas ist bezüglich der angegeben Windhöffigkeitswerte nicht brauchbar, denn es handelt sich um keine gemessenen Windwerte sondern um am Computer modellierte Berechnungen. Das Programm stammt aus den 80er Jahren und kommt aus Skandinavien und ist für komplexes (hügeliges) Gelände wie wir es hier in Baden-Württemberg haben nicht geeignet. Er beinhaltet eine Wirtschaftlichkeitsrechnung als Handreichung für die Planungsträger die fehlerhaft ist, denn es wurde die Verzinsung vergessen und gaukelt so eine Wirtschaftlichkeit vor wo keine ist. Apropo Wirtschaftlichkeit, sie schreiben, dass die Wirtschaftlichkeit das Risiko des Betreibers darstellt. Wenn es sich aber um ein Bürgerwindrad handelt ist es letztendlich wieder der Bürger, dem in die Tasche gegriffen wird.

Die von den Vorhabensträgern in Auftrag gegeben Windgutachten sind oft keine Gutachten sondern eher „Schlecht“-Achten, das haben meine Recherchen ergeben. Sie lassen die Vorgaben die für die Erstellung eines seriösen Gutachtens gelten (derzeit gilt TR6 Revision 9) schlicht ausser acht. Der Gutachter hat einen Auftrag: ein Gutachten zum Bau eines Windparks zu erstellen, er hat keinen Auftrag einen Windpark zu verhindern.

Seriöse Windkrafthersteller verlangen von einem Standort eine Windhöffigkeit von 6,2 m/sec in Nabenhöhe (Enercon), manche Hersteller sogar 6,4 m/sec (General Electric). Diese Standorte sind im Ländle sehr, sehr rar.

Daraus folgt, wir sollten die Windkraft nur dort platzieren wo der Wind weht nicht wo die Politiker Wind machen.

Hansjörg Jung, AK Energie CDU Kreisverband Böblingen

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